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Netzwerk gegen häusliche Gewalt: Wohnungssuche großes Problem

Landkreis Stade. Künftige Aktionen, neue Angebote und der informative Austausch: Das stand beim diesjährigen Treffen des „Netzwerkes gegen häusliche Gewalt im Landkreis Stade“ auf der Tagesordnung. Eingeladen hatte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Stade Elena Knoop. Den mehr als 30Teilnehmerinnen und Teilnehmern von unterschiedlichen Einrichtungen und Institutionen wurde abermals bewusst, wie wichtig ihre Arbeit ist.

Sie treten gemeinsam gegen Gewalt in der Partnerschaft ein: Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Stade, das jetzt wieder zusammenkam. Foto Landkreis Stade / Christian C. Schmidt

Wichtig ist auch, das Thema häusliche Gewalt immer wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Denn obwohl Gewalt in der Partnerschaft häufiger vorkommt, als viele vermuten, ist es immer noch schambehaftet. Das soll sich durch Aktionen und Projekte ändern, wie etwa durch die bereits bekannte Tütenaktion während der „Orange Days“ Ende November oder die Teilnahme am Lauf- und Musikfestival in Harsefeld im Juni. „Wir möchten für häusliche Gewalt sensibilisieren, aufklären und Betroffene ermutigen, sich Hilfe zu holen“, so Elena Knoop.

Denn betroffen sind viele: Jede vierte Frau erlebt mindestens ein Mal in ihrem Leben Gewalt in ihrer Beziehung. Das sind mehr als zwölf Millionen Frauen. Umso wichtiger ist daher die Netzwerkarbeit, wie jetzt im Stader Kreishaus. Mit dabei waren unter anderem die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Stade sowie Vertreterinnen und Vertreter der AWO-Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS), des Stader Frauenhauses, der Polizei, der Jugendämter und der Justiz.

Wie präsent häusliche Gewalt auch im Landkreis Stade ist, zeigten die Zahlen der BISS, die im vergangenen Jahr 522 Fälle bearbeitete. In 86 Prozent der Fälle waren die Täter männlich; 460 Beratungsgesprächen wurden geführt; 565 Kinder waren als Zeugen der Gewalt mitbetroffen. Eine große Herausforderung bei der Beratungsarbeit sei – neben einigen anderen, Wohnungen zu finden, berichtete Renate Winkel, BISS-Leiterin: „Die Frauen wollen sich trennen, finden aber keine neue Wohnung.“ Mitunter würden Opfer bei den Tätern bleiben, um nicht in die Obdachlosigkeit zu rutschen.

Einen geschützten Wohnraum bietet das Stader Frauenhaus. Allerdings ist auch hier der Platz begrenzt, so dessen Leitung Hanne Rathjens: „Im vergangenen Jahr betrug die Auslastung knapp 96 Prozent und damit im vierten Jahr in Folge über 90 Prozent.“ Abhilfe wird das neue Schutz- und Beratungszentrum für Frauen schaffen, das in einigen Wochen eröffnet wird. „Wohnungsnot darf kein Argument sein, bei einem gewalttätigen Partner zu bleiben“, betonte Hanne Rathjens.

Was die Arbeitsgruppen (AG) des Netzwerks bereits in den vergangenen Monaten umgesetzt haben und was noch geplant ist, wurde ebenso in kurzen Tätigkeitsberichten erläutert. Unterschiedliche Netzwerkteilnehmerinnen und -teilnehmer arbeiten in verschiedenen AGs wie Schulische Prävention, Migration und Täterarbeit zusammen, um noch mehr Betroffenen zu helfen, die Präventionsarbeit auszubauen und für das Thema häusliche Gewalt zu sensibilisieren. „Denn Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist nicht hinnehmbar. Genau deswegen arbeiten wir im Netzwerk zusammen“, so Elena Knoop.

Planungen für 2024

Das Netzwerk plant zwei in diesem Jahr zwei größere Aktionen:

Zum Einen wird das Netzwerk wie im letzten Jahr beim Lauf- und Musikfestival in Harsefeld am 15.06. mit einem Team vertreten sein. Unter dem Motto „Häusliche Gewalt? …läuft nicht!“ werden viele in orangen T-Shirts an den Start gehen.

Und weil es mittlerweile fast eine Tradition im Landkreis Stade ist: Im Rahmen der Orange Days wird das Netzwerk in diesem Jahr wieder Tüten mit der Aufschrift „Häusliche Gewalt?! …kommt nicht in die Tüte!“ flächendeckend über Bäckereien, Wochenmärkte, Schulen, Läden, Apotheken und Institutionen streuen.

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